Beitrag von Rüdiger Christ
Sechs historische Doppelfernrohre standen am Samstag, dem 19. September 2026, im Mittelpunkt eines besonderen Aktionstages auf dem Gläserberg bei Dermbach. Uwe Kracht von der Binocular History Society (BHS) hatte die außergewöhnlichen optischen Geräte auf dem 670 Meter hohen Gipfel aufgestellt und ermöglichte den Besuchern damit einen ungewöhnlichen Blick in die Geschichte der Fernoptik und gleichzeitig weit hinaus in die Rhöner Landschaft.
Die historischen Geräte mit militärischem Hintergrund waren auf markante Punkte in der Umgebung ausgerichtet. Der Gothaer Sammler und Kenner der Fernglasgeschichte informierte gemeinsam mit seiner Frau Maria, die in Zella/Rhön aufgewachsen ist, über die Herkunft, Technik und frühere Verwendung der Doppelfernrohre. Interessierte Besucher konnten die Geräte aus nächster Nähe betrachten, selbst hindurchschauen und Fragen zur Geschichte der historischen Optik stellen.
Einige der ausgestellten Geräte stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden vergleichbare optische Instrumente teilweise auch eine zivile Verwendung, unter anderem in Sternwarten. Dort wurden sie zur Beobachtung des Sternenhimmels eingesetzt und ermöglichten auch wissenschaftliche Entdeckungen.

Weitblick über Rhön und Thüringer Wald
Der Standort auf dem unbewaldeten Gipfel des Gläserberges war für die Präsentation besonders passend. Der Dermbacher Hausberg bietet eine beeindruckende Rundumsicht über die Rhön und weit darüber hinaus.
Bei guter Sicht reicht der Blick bis zur Wartburg rund 34 Kilometer im Norden, zum Schneekopf etwa 47 Kilometer im Osten sowie zur Wasserkuppe und dem Heidelstein rund 26 Kilometer im Süden. Im Westen ist unter anderem der Rößberg in etwa 14 Kilometern Entfernung zu erkennen.
Auch die Kali-Anlagen bei Unterbreizbach gehören zu den markanten Punkten, die sich von den Höhen des Gläserberges aus in der Landschaft ausmachen lassen. Damit wird die besondere Weite des Aussichtspunktes deutlich, von dem aus sich sowohl die natürlichen Landschaftsformen der Rhön als auch die durch den Menschen geprägte Kulturlandschaft beobachten lassen.
Obwohl die Fernsicht am Samstag nicht optimal war, konnten zahlreiche markante Landschaftspunkte deutlich ausgemacht werden. Zu sehen waren unter anderem die Wartburg, das Ringberghaus bei Suhl, die Wasserkuppe, die Milseburg und der Schneekopf.
Gleichzeitig wurde von dem exponierten Gipfel aus sichtbar, wie sich das Landschaftsbild in der weiteren Umgebung verändert. Auch neu entstandene Windenergieanlagen waren in der Ferne zu erkennen.
Dermbacher Rhönklubhütte geöffnet
Anlass für den besonderen Aktionstag war das Jubiläum des Premiumwanderwegs „Der Hochrhöner“. Aus diesem Grund hatte die Dermbacher Hütte des Dermbacher Rhönklub-Zweigvereins an diesem Samstag außerplanmäßig von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Zahlreiche Wanderer, Ausflügler und Mountainbiker nutzten die Gelegenheit für einen Besuch auf dem Gläserberg. Im Laufe des Vormittags kam auch eine Wandergruppe hinzu, die vom Vorsitzenden des Dermbacher Rhönklub-Zweigvereins Thomas Wehner geführt wurde.
Der Gipfel liegt im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und ist sowohl über den HOCHRHÖNER® als auch über den Familienwanderweg „Rhöner Schöpfungspfad“ zu Fuß erreichbar.
Himmelsschauplatz Gläserberg
Der Gläserberg ist nicht nur ein Aussichtspunkt bei Tageslicht. Als Himmelsschauplatz Gläserberg bietet er auch Möglichkeiten zur Beobachtung des Nachthimmels.
Ein Polarsternfinder hilft bei der Orientierung, während eine Sternenkarte das Auffinden von Sternbildern ermöglicht. Ein Fernglasaufsetzer sorgt für eine ruhigere Hand bei der Himmelsbeobachtung. Auf einer Wellenliege können Besucher den Sternenhimmel entspannt betrachten.

Auch ein fest installiertes Fernrohr steht auf dem Gipfel dauerhaft und kostenlos zur Verfügung und ermöglicht den Besuchern einen Blick über die Rhöner Landschaft.
„Mit Durchblick zur Fernsicht“ in Suhl
Wer sich noch intensiver mit der Geschichte von Ferngläsern beschäftigen möchte, kann die umfangreiche Ausstellung „Mit Durchblick zur Fernsicht“ im Waffenmuseum Suhl besuchen.
Uwe Kracht hat dort rund 460 Exponate zur Geschichte des Fernglases zusammengetragen und auf etwa 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert. Die im März 2026 eröffnete Ausstellung ist noch bis März 2027 zu sehen.
Der Aktionstag auf dem Gläserberg machte auf besondere Weise deutlich, dass historische Technik und heutiges Natur- und Landschaftserlebnis durchaus zusammenpassen. Die sechs historischen Doppelfernrohre boten dabei nicht nur interessante Einblicke in die Geschichte der Fernoptik, sondern lenkten den Blick zugleich auf die außergewöhnliche Weite und Vielfalt der Rhöner Landschaft.









